12 nominierte Projekte
Eine hochkarätige, international besetzte Fachjury beurteilte die zahlreichen Schutzwaldprojekte aus Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Südtirol, Bayern, Liechtenstein und Graubünden. Ausschlaggebende Auswahlkriterien waren vor allem Originalität, Partizipation und Vorbildcharakter der Einreichungen. 12 Projekte wurden in den Kategorien Erfolgsprojekte, Innovation, Öffentlichkeitsarbeit, Schutzwaldpartnerschaften und Schulprojekte nominiert.

 

Erfolgsprojekte

 
Preisträger - „Freiwillige Schutzwaldsanierung der Wälder des Vorderkaserhofes (Schnals – Pfossental)“
Richard Kofler, Südtirol
Seit der Hofübernahme im Jahr 1983 setzt sich der Landwirt Richard Kofler für die Wideraufforstung der Wälder seines Vorderkaserhofes ein. Ausschlaggebend dafür war eine labile Waldsituation. Trotz schwieriger Standortbedingungen ist es dem vorbildhaften Bemühen des Landwirts zu verdanken, dass die von ihm umgesetzten Maßnahmen zur Schutzwaldsanierung Erfolge zeigen. In über 20 Jahren wurden Lärchensämlinge aus nahegelegenem Bachbett und Lawinenstrich entnommen und verpflanzt, vor Wild geschützt und regelmäßig ausgemäht. Zusätzlich wurde ein freiwilliger Waldbehandlungsplan erstellt. Die Holznutzung erfolgt kleinflächig und wird sorgfältig mittels Seilkran betrieben.

 

weitere Nominierungen


„Gebirgswaldbau im Einklang mit dem einmaligen Landschaftsbild im
Oberengadin“, Graubünden
Kooperationsprojekt in Südbünden
Einer vorbildlichen Kooperation aus 11 Gemeinden, 7 Förstern und dem Amt für Wald Region Südbünden der es gelungen ist, die natürliche Schutzwaldverjüngung der Wälder des Oberengadins durch schonende Eingriffe zu gewährleisten. Auf 9`700 ha Waldfläche wurden unter Bewahrung des einmaligen Landschaftsbildes die waldbaulichen Maßnahmen an die Bedürfnisse des Schutzwaldes angepasst.
Ziel war die Schaffung stufiger, vitaler und stabiler Gebirgs-Plenterwälder. Durch die vielfältigen Maßnahmen sind Wildschäden zurück gegangen. Die
Zwangsnutzung von Sturmschäden kommt kaum noch vor. Holz wird mit
verschiedenen Methoden gewonnen und rentable Holzschläge können
ausgewiesen werden.

 
Waldumbau am Blomberg, Bayern

Kooperationsprojekt zwischen Waldbesitzern, Forstverwaltung und der Jägerschaft
Der Blomberg zählt aufgrund seiner Nähe zu München und Bad Tölz zu den
beliebtesten Ausflugsbergen im bayrischen Voralpenraum. Die Ausrichtung der Schutzwaldbewirtschaftung an ästhetischen sowie an touristischen Kriterien ist daher oberstes Gebot. Der Stadtwald von Bad Tölz umfasst 160 ha. 50 % davon sind Schutzwald. In der Vergangenheit gerieten Altbestände vor allem durch Stürme, Schneedruck und Borkenkäferschäden zunehmend in Gefahr.
Durch eine vorbildliche Kooperation ist es in über 20 Jahren gelungen, die für
Schutzwälder wichtige Tanne großflächig in Mischverjüngung zu etablieren. Auf diese Weise konnten sich strukturreichere und stabilere Waldbestände entwickeln.


Innovationen und Schutzwaldpartnerschaften

 

Preisträger - „Gemeinsam sind wir stärker“

Waldgenossenschaft Iseltal, Tirol
Die Waldgenossenschaft Iseltal besteht seit 1952 und zählt mittlerweile 239
Mitglieder. Ihr Gebiet erstreckt sich über drei Försterbezirke und 15 politische
Gemeinden des Iseltals und umfasst 26.000 ha Schutzwaldfläche. Seit den 90er Jahren wird partnerschaftlich und in Übereinstimmung mit der Tiroler
Schutzwaldstrategie die Schutzwaldverjüngung durch Altholzabbau erfolgreich betrieben und dadurch stufige, stabile Schutzwaldbestände geschaffen. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es der Genossenschaft durch nachhaltige Schutzwaldbewirtschaftung gelungen, den Ertrag für die Mitglieder zu garantieren.

weitere Nominierungen

 

„LeiNa – ein Instrument für den Leistungsnachweis und das Controlling der Waldbewirtschaftung“, Graubünden
Amt für Wald Graubünden
LeiNa ist ein vom Amt für Wald Graubünden entwickeltes, internetbasiertes Wald- Informationssystem, in welchem zurzeit über 13.000 forstwirtschaftliche Flächen erfasst sind. In Graubünden wird seit 2008 die gesamte Projektabrechnung über LeiNa abgewickelt.
LeiNa ermöglicht die systematische Erfassung aller im Wald erbrachter Leistungen und waldbaulicher Maßnahmen und dient damit der Informationsweitergabe und derWirkungskontrolle. Der modulartige Aufbau von LeiNa ermöglicht einen flexiblen Ausbau auf vorhandene Bedürfnisse. Die Datenverarbeitung ist darauf angelegt, dass sie für mehrere Förstergenerationen dezentral nutzbar ist.


„Ausbildung trifft (Schutz-) Wald“, Kärnten
Kärntner Waldpflegeverein
Der Kärntner Waldpflegeverein wurde im Jahr 2001 gegründet. Derzeit beschäftigt er 21 Waldpflegetrainer, um gemeinsam mit Waldbesitzern notwendige Maßnahmen in der Schutzwaldpflege rechtzeitig und fachgerecht umsetzen zu können. Das Leistungsspektrum umfasst vor allem Dickungspflege, Erstdurchforstung, Formschnitt und Wertastung. Ziel ist die Erhaltung, Entwicklung und nachhaltige Bewirtschaftung des Schutzwaldes und die Stärkung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Forstwirtschaft. In einem persönlichen Training erhalten Waldbesitzer die Gelegenheit, forstfachliches Know-How durch die Waldpflegetrainer zu erlernen und auch selbst anzuwenden.



 
Öffentlichkeitsarbeit

 
Preisträger - „Erweiterung der Lawinenwege und des Lawinendokumentationszentrums in
Blons – Erweiterung und Zusammenfassung“

Gemeinde Blons, Vorarlberg
Die Gemeinde Blons wurde im Jahr 1954 von einer Lawine schwer getroffen. Im Jahr 2000 entschied sich die Gemeinde, durch die Errichtung eines eigenen Lawinen-Wanderwegs, an diese Tragödie zu erinnern und über alpine Gefahren aufzuklären. Die Erweiterung des Dokumentationszentrums 2010 umfasst eine Installierung eines Schauraums in einem ehemaligen Wildbachlager. 70 Schautafeln zeigen die Besiedlungsgeschichte des Tals, die Wald-Wildproblematik und die Bedeutung des Schutzwaldes. Zusätzlich zum Schauraum wurde im Lawinendokumentationszentrum ein Infopoint eingerichtet, welcher der Bevölkerung sieben Tage die Woche zur Verfügung steht.

weitere Nominierung

„Netzwerk Naturraum Brixental“, Tirol
Netzwerk Naturraum Brixental
Der boomende Skisport und der damit einhergehende steigende Freizeit- und
Erholungsbedarf, hat direkten Einfluss auf den Schutzwald. Die Gewährleistung einer nachhaltigen und ökologischen Nutzung des Naturraumes steht daher im Vordergrund des Projekts. Der Wald soll langfristig als Lebensraum für Mensch und Tier aufgewertet werden und erhalten bleiben. Der Verein investierte in Infrastrukturerneuerung und erstellte eine Skitourenplatform, die auch Auskunft über Verhaltensregeln im Wald gibt. Informationstafeln wurden installiert. Zusätzlich wurde ein Film gedreht, der Aufklärungsarbeit leisten soll.


Schulprojekte

 

Preisträger - „Schule im Biosfera-Wald“

Gemeinde Val Müstair, Graubünden
Mit dem Wunsch der Kinder regelmäßig alle Höhenstufen und die Unterschiede der Wälder im Val Müstair näher bringen zu dürfen, gelangten die Förster an die Schulen und Kindergärten. Gemeinsam wird auf Entdeckungs- und Erkundungsreisen gegangen. Die Idee, den Kindern Wald und Natur nicht ausschließlich über Bücher und Bilder zu vermitteln, sondern auf direkte Weise, veranlasste die Kindergärten und auch die Förster durch naturpädagogische Zusatzausbildungen, die Qualität der Waldbegehungen und des Unterrichts im Wald zu steigern. Seit 2005/06 werden daher jedes Jahr mindestens drei Schulwaldtage mit Schülerinnen und Schülern veranstaltet. Seit 1 ½ Jahren findet auch der Kindergartenunterricht jeden Dienstag bei Wind und Wetter im Wald statt.

 

weitere Nominierungen

 

Schutzwald trifft Kunst, Bayern
Bergwalderlebniszentrum Ruhpoldingen
Das Bergwalderlebniszentrum Ruhpolding entwickelte die Idee, den heimatlichen Naturraum einheimischen Kindern näher zu bringen. Mittels Gründung einer eigenen Kindergruppe wird versucht, jedes Jahr ein neues Projekt zum Thema Natur praktisch umzusetzen. Aufgrund des diesjährigen Schutzwaldpreises wurde die Idee geboren vom Schutzwald zu lernen und diesen auch aktiv zu gestalten. So wurden Steige im Wald angelegt, Bäumchen gepflanzt sowie Nistkästen gebastelt und aufgehängt.Die Kindergruppe wurde 2006 gegründet. Seit 2010 gibt es zwei Kindergruppen. Die Verbindung zwischen Kunst und Natur wurde durch die künstlerische Gestaltung eines Kalenders umgesetzt.

 
Waldpfad Lavant, Tirol

Gemeinde und Volksschule Lavant
In den Jahren 2006/2007 wurde ein bereits in die Jahre gekommener Waldlehrpfad unter der Leitung des örtlichen Gemeindewaldaufsehers und mit eifriger Mithilfe der VolksschülerInnen von Lavant wieder aktiviert.
Die Volksschule Lavant half engagiert mit das Logo neu zu gestalten. Die Schüler stellten entlang des Weges Vogelnistkästen auf und Schautafeln wurden neu eingerichtet. Die „Lavanter Laue“ wurde aufgewertet und künstlerisch wurde der Pfad ebenso neu gestaltet.
Der Schutzwald ist für die Gemeinde Lavant von immenser Bedeutung. Die
Tätigkeit im Wald trägt zudem wesentlich zu einer praktischen und naturnahen Lernerfahrung der Schülerinnen und Schüler bei.

Anerkennungpreis

Kahle Alpen- ist der Bergwald noch zu retten?“
Christiane Streckfuß, Bayern
Christiane Streckfuß, Autorin des Films und ihr Team, hatten das Ziel, dass die
Zuschauer am Ende verstehen weshalb ein intakter Bergwald für uns Menschen wichtig ist.
Im Film wurde hervorgehoben welche Maßnahmen zur Rettung des Bergwaldes unternommen werden und vor welchen Herausforderungen Förster und Wissenschaftler dabei stehen. Der Klimawandel stellt Förster, Jäger und Wissenschaftler vor neue Herausforderungen und die Botschaft lautet: Der Bergwald von heute muss fit für das Klima von morgen sein.
Der Film zeigt, dass der derzeitige Bergwald zu einem stabilen Mischwald umgebaut werden muss, wenn er auch in Zukunft seine Schutzfunktion für Orte und Menschen im Tal wahrnehmen soll.